AEG 31 WU

AEG 31 WU

1951

Seriennummer: 552092

Vorbemerkung:

Etwa 1996 übernahm ich In Berlin-Spandau eine Sammlung von etwa acht Radios. Der Zustand der einzelnen Geräte war recht unterschiedlich. Einige spielten sogar, andere waren mausetot. Zu den letzteres zählte dieses AEG aus dem Jahre 1951.

Das Radiomodell:

Wer glaubt, AEG hätte nur Haushaltsgeräte produziert, liegt falsch. AEG baute sogar einmal Autos, die unter dem Namen NAG auf den Markt kamen und in Berlin produziert wurden. In der Elektrotechnik gehört AEG bekanntermaßen zu den frühen Pionieren, war dabei auch eng verknüpft mit dem Telefunken-Konzern.

Dieses AEG 31 WU, das ich hier vorstellen möchte, war in einem ziemlich miserablen Zustand. Auch das Holzgehäuse hatte einige Blessuren erfahren. Dem linken Drehknopf fehlte ein großes Stück seiner Kunststoffrundung und ein Teil des Gehäusefurniers an der linken Seite war oben herausgebrochen. Offensichtlich versuchte das Radio früher einmal seine Flugfähigkeiten auszuprobieren, musste beim Programmpunkt „Landung“ aber noch nachbessern.

Das Radio im Eingangszustand

Im Inneren sah es nicht besser aus. Ich baute alles auseinander und merkte schnell, dass hier einiges zu machen ist. Leider hatte dies schon jemand vor mir versucht, was meine Motivation etwas bremste. Es schienen auch Teile zu fehlen. Einige Kabel verloren sich im Nichts. Das macht eine Restaurierung nicht einfacher. Bei erster Begutachtung stellte ich fest, dass ein neuer, leider nicht originaler Lautsprecher eingebaut wurde, dass weitere Teile fehlten und dass ein Lastwiderstand deutliche Schmauchspuren aufwies.

Hier der Lautsprecher, wie er im Original aussehen sollte

Hier der Lausprecher, wie er eingebaut war

Links der rote, angeschmorte Lastwiederstand

Ich begnügte mich zunächst damit, alles sauber zu machen und zumindest das Gehäuse wieder zu richten. Unter dem Chassis fand ich auf der Holzinnenseite des Gehäuses einen Stempel mit dem Datum 22. September 1951. Auf der Innenseite der Rückwand ist der Schaltplan aufgeklebt. Den teilweise bröseligen Lack ließ ich unberührt. Vorne tauschte ich noch den ramponierten linken Einstellknopf gegen ein passendes Original in gutem Zustand. Frisch, mit Furnierersatz und etwas Make-Up machte es optisch schon gar keinen so schlechten Eindruck mehr.

Hier haben wir also ein AEG-Radio der frühen Nachkriegszeit. Es wurde in der Saison 1951 / 1952 angeboten. „WU“ bedeutet „Wechselstrom / UKW“. Es hat also schon ein serienmäßig eingebautes UKW-Empfangsteil mit 5 FM Kreisen. Das war 1951 sehr fortschrittlich, wenn man bedenkt, dass echte UKW-Empfänger erst im Jahr davor, also 1950, in West-Deutschland auf den Markt kamen. Hinten konnte man noch einen Tonabnehmer, also zum Beispiel einen Plattenspieler und sogar noch einen externen Lautsprecher anschließen. Nicht so fortschrittlich und eigentlich schon fast gefährlich ist der erstaunliche Umstand, dass AEG in dieses Model mit einem Spartransformator oder auch „Autotrafo“ genannt, versehen hat. Hier gibt es also keine galvanische Trennung zwischen Primär- und Sekundärseite. Arbeiten an einem solchen Gerät sollten ausschließlich mit einen Trenntransformator durchgeführt werden, wenn man seine Bastelarbeit überleben möchte.

Neben UKW empfängt es außerdem MW, LW und KW. Eingebaut sind die in dieser Zeit in West-Deutschland beliebten Rimlock-Röhren der 40ger-Serie. Also die EF 41, EAF 42, ECH 42 und als Leistungsröhre die EL 41. Ausnahme ist die Abstimmröhre, die bekannte EM 11.

Als reizvoll empfinde ich die Gestaltung des Gehäuses. Es hat ein für die Zeit stimmiges, schlichtes aber klares Design der späten 30ger und frühen 40er Jahre. Es grenzt sich noch klar ab von den späteren sehr einheitlich gebauten typischen Tastenradios aus der Epoche der mittleren und späten 50ger Jahren.

Das Radio nach der optischen Restaurierung

Das Gerät in seiner Zeit:

1951 war das perspektivische Wirtschaftswachstum im Westen Deutschlands noch längst nicht gesichert. Im Gegenteil. Der Korea-Krieg hatte zu einer deutlichen Anspannung auf dem Rohstoffmarkt geführt. In Deutschland war wegen der Enge der wenigen zugeteilten Frequenzen im Mittelwellenbereich kaum noch ein trennscharfer Senderempfang möglich. Der Volksmund nannte dieses Phänomen „Wellensalat“. Mit einem bitteren Dressing. Daher experimentierte man mit einer bis dahin in Europa vernachlässigten Wellenart, der Ultrakurzen Welle, damals noch als UW und später als UKW bekannt. Statt die Amplituden, wurden nun die Frequenzen moduliert. Ein bis in die heutige Zeit aktueller Standard für den qualitätsvollen Radioempfang von Analogsendern.

Die ersten serienmäßig hergestellten UKW-Empfänger kamen im Westen erst 1950 in überschaubarer Menge auf den Markt (link Graetz). Ein Jahr später, also 1951 folgten viele der namhaften Hersteller diesem Pfad. AEG gehörte ebenfalls dazu. Die Firma wies in seiner Werbung für den 31 WU darauf hin, dass zur Saison 1951 alle angebotenen Radios der „Einserserie“ mit UKW-Empfängern ausgestattet seien. Die „Einserserie waren die Geräte, deren Bezeichnung auf Ziffer „eins“ endeten. Bei dieser Serie nimmt das 31 WU die Rolle des Einsteigermodells ein. Das nächst größere Modell mit der Bezeichnung 41 WU, hat eine empfangsstärkere Röhrenausstattung und immerhin sogar eine Kurzwellenlupe. Damit konnte man die Bandbreite im Kurzwellenbereich stufenlos variieren und entscheiden, ob man lieber viele und oft undeutliche Sender oder lieber wenige, dafür aber trennschärfere Stationen hereinbekommen wollte.

Nachkriegsfernsehen war noch Zukunftsmusik. Um auf dem Laufenden zu bleiben und an aktuelle Informationen zu kommen, blieben den Bürgern nur die gedruckten Tageszeitungen am Kiosk. Oder eben zu Hause das Radio, als Fenster zur Welt. Dementsprechend groß war der Bedarf in der deutschen Bevölkerung nach diesem Medium. 1951 musste man 326 DM zusammen bekommen, um in den Genuss eines nagelneuen AEG 31 WU-Radios mit UKW-Empfang zu gelangen.