Grundig 1041WH

1954

Seriennummer: 422 11826

Vorbemerkung:

Jemand bot mir dieses recht einfache Radio Mitte der 90er Jahre des letzten Jahrtausends an.

Ich zögerte. Ein wirklich simples Allerweltsgerät im Allerweltslook und mein Platz war begrenzt. Dann aber nahm ich es für bescheidene 10 DM. Einfach deshalb, weil es wirklich makellos war.

Nicht ein Kratzer, keine unansehnliche Ecke war zu sehen und die Stoffbespannung wirkte adrett wie bei einem Neugerät. War es wirklich schon einmal benutzt worden? Ich war schließlich ganz froh mit dem Kauf, besonders, weil es auch noch tadellos funktionierte.

Der Klang ist okay. Wirft niemanden um, reicht aber alle Male für den soliden täglichen Hausgebrauch.

Am Anfang kam es in meine Single-Küche und später auch noch in die Kochstätte der ersten gemeinsamen Wohnung mit meiner späteren Frau. Immer noch praktisch im täglichen Alltagsgebrauch. Irgendwann war nach einigen Jahren der Koppelkondensator zum Steuergitter der Endröhre hinüber. Eine einfache Reparatur.

Bei dieser Gelegenheit bekam es auch noch ein neues „Magisches Auge“. Das alte Original, die EM 85, war nach vielen Jahrzehnten praktizierter Zauberei wirklich am Ende und der eigentlich sehr schöne Fächer leuchtete kaum noch wahrnehmbar. Das war es auch schon mit den Reparaturen.

Das Radiomodell:

Dieses eher kleine Gerät des Platzhirschen Grundig ist aus dem Jahre 1954 und war noch bis 1955 in Produktion.

Hier wurden in verschiedenen Serien etwas unterschiedliche Röhrenbestückungen verbaut. Meines hat die Röhren EC92, ECH81 und EF93. Die Endröhre war bei jeder Produktionsvariante in jedem Falle immer die EL41.

Es war sehr populär in seiner Zeit, denn es wurden große Stückzahlen erreicht. Neben der leicht unterschiedlichen Röhrenausstattung gab es das 1041W zusätzlich auch als Bakelit-Gerät. Und damit erschießt sich auch das „H“ in der vorliegenden Bezeichnung. Denn dieses Model ist aus Holz. Das „W“ steht natürlich für „Wechselstrom“ und damit wäre die Kombination „WH“ hinter der Nummer auch enttarnt.

Es ist leicht, kompakt, ca. 50 cm breit und kostete seinerzeit akzeptable 240,- DM. Für ähnlich hochwertige Geräte konnte man da auch schon einmal deutlich mehr ausgeben.

Optisch gibt es keine Besonderheiten, gerade, wenn man es mit den zeitgenössischen Grundig-Geräten vergleicht. Schon damals hatte die Firma eine „Corporate Identity“, als es den Begriff noch gar nicht gab. Ein Grundig-Radio konnte jeder von weitem identifizieren.

Typisches Merkmal waren die Zierleisten an den Seiten, die vorne leicht herumgezogen waren und jeden Grundig aus dieser Zeit zierten. Alle Radioempfänger der Firma sahen zu dieser Zeit irgendwie gleich aus. Nur die Größe unterschied sie optisch. Auch sonst ist es gestalterische Hausmannskost der einheitlichen Anordnung dieser Zeit. Zwei Drehknöpfe auf der Skalenscheibe, obere Stoffbespannung und weiße Tasten unten in zentraler Anordnung.

Trotz der kompakten Große und der etwas einfallslosen Gestaltung ist es insgesamt, mit seinem hellen Holz, aber eine harmonische Erscheinung. Im Gegensatz zum kleineren Grundig 810 W aus dem Jahre 1953 zum Beispiel, das mit seinen drei verloren wirkenden Tasten in der Mitte wie ein Kaninchen aussieht, dem man die Möhre gestohlen hat.

Das hier vorgestellte Modell war also nicht das kleinste Modell, der inzwischen eindrucksvollen Empfängerproduktion des Unternehmens. Aus dem Grundig-Angebot der Serie unseres Radios gab es noch zwei kleinere Modelle, der besagte 840W und der 941W und 941WH (wir wissen ja jetzt was „H“ bedeutet). Wir bewegen uns also immerhin im oberen Bereich des „Kleinwagensegments“.

Am damaligen Markt in Westdeutschland gemessen, wäre es vielleicht sogar schon untere Mittelklasse. Denn eigentlich lässt es kaum etwas vermissen.

Es hat tadellosen UKW-Empfang mit 8 FM-Kreisen und eine Gehäuseantenne. Solange man nicht mitten im Wald in einer menschenleeren Gegend wohnt, kann man überall, auch ohne separate UKW-Antenne, viele gängige Sender hören. Weiterhin können auch Mittelwellen und Langwellensender empfangen werden. Auf Kurze Wellen muss der Käufer aber verzichten.

Das Gerät in seiner Zeit:

Dieses Modell tummelte sich im volkstümlichen Bereich eines guten Preis-Leistungsverhältnisses. Sicher einer der Gründe für seinen Markterfolg.

Der Preis entsprach in etwa einem durchschnittlichen Monatsgehalt. Nicht wenig, aber auch nicht unerreichbar. Mit etwas Sparsamkeit konnte der Werktätige in der Bundesrepublik sich und seiner Familie mit dem Grundig eine musikalische Freude machen. Nach dem nervigen Mittelwellenrauschen alter Geräte war der glasklare UKW-Empfang des nagelneuen 1041WH ein wirklicher Genuss.

Mit der westdeutschen Wirtschaft ging es nun spürbar voran. Viele Bundesbürger gewannen, trotz der weiterhin schwierigen Lebensverhältnisse in einem besetzten und weitgehend zerstörten Land, langsam wieder ihren Optimismus zurück.

Manche Deutsche in der sozialistischen DDR hingegen waren, besonders nach dem niedergeschlagenen Volksaufstand am 17. Juni 1953, mit ihrer politischen und wirtschaftlichen Situation inzwischen so unzufrieden, dass sie eine Flucht in Richtung Westdeutschland erwogen. Umgesetzt haben das alleine 1954, unter großen Belastungen für die Betroffenen, fast 200 000 Bürger aus der DDR.

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