Metz 401 W

1951

Seriennummer: 556600

Das Radio in seinem Eingangszustand

Vorbemerkung:

Dieses Radio war der Grund für einen sonntäglichen Ausflug an einem späten Novembertag des Jahres 2025 in ein kleines Dorf der Kreisstadt Düren. Wir trafen uns auf einem Garagenhof mit einer jungen Frau, deren Vater verstorben war, und die nun die Garage räumen wollte.

Neben einem alten Audi 100, der ohne Felgen aufgebockt den größten Teil des Platzes in Anspruch nahm, musste noch eine Vespa mit platten Reifen und fehlendem Motor herausgedrängt werden, um an die angebotenen Radios zu gelangen, die sich in einer hinteren Ecke stapelten.

Eigentlich wollte ich nur das Metz-Radio haben. Ein Gerät dieser Marke hatte ich noch nicht als eigenständige Spezies in meinem kleinen Radio-Zoo. Metz-Radios findet man nicht an jeder Ecke. Außerdem sprach mich die Form an. Ein hübsch gestaltetes Gehäuse, noch ohne die später üblichen Tasten.

Drei angestaubte Empfänger in einem schäbigen Zustand kamen nun ans Tageslicht eines kalten, aber sonnigen Herbsttages. Metz war in Begleitung eines Schaub-Lorenz Westminster 59 und eines extrem ramponierten Graetz Melodia M 618.

Die unsachgemäße Lagerung der Radios auf dem Boden der alten Garage war bedenklich. Da die Tochter den „alten „Plunder“ aber unbedingt loswerden wollte, wurden wir uns für 30 EUR einig. Die beiden anderen Radios, die sich augenscheinlich ebenfalls in keinem guten Zustand befanden, gab es im Rahmen eines Gesamtpakets dann noch als „Beifang“ dazu.

Der Kofferraum war also wieder voll mit Röhrenradios. Vielen Dank an dieser Stelle an meine tolerante Frau für ihr verständnisvolles Lächeln.

Das Radiomodell:

Zuerst schaute ich mir das Metz 401 W an, das der eigentliche Grund für den kleinen Wochenendausflug war. Bei genauer Betrachtung und einer sorgfältigen Befreiung vom gröbsten Schmutz sowie einer Intensiven Holzbehandlung, war ich doch erstaunt. So schlecht war das Gehäuse gar nicht.

Das Radio nach Reinigug und Holzbehandlung

Es folgte ein Blick in den „Innenraum“. Natürlich war ich bei Berücksichtigung von Herkunft und Lagerung auf das Schlimmste gefasst. Aber: Fehlanzeige! Alles war am Platze, sah nach dem ersten Anschein auch noch unverdorben durch Basteleien aus und selbst der Staub hielt sich in Grenzen. Als hätte schon einmal jemand hier saubergemacht.

Also war der Kauf doch nicht nur reiner Zeitvertreib, sondern hatte mir ein durchaus interessantes Gerät in den Keller gespült.

Grund genug, den Metz einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Der Markteintritt dieses Modells erfolgte im Jahr 1951. Die Produktion lief bis in die Saison 1952.

Wir haben es hier mit einem sehr hochwertigen Empfänger zu tun. Es war das zweitgrößte Modell der Marke Metz, aus der 1951 vorgestellten Serie. Ausgestattet schon mit eingebautem UKW-Empfänger wurden alle Wünsche anspruchsvoller Kunden vollumfänglich erfüllt.

Auch alle anderen Wellenbereiche, also KW, LW und MW wurden verarbeitet. Dafür sorgen 8 Röhren, 8 AM- und 9 FM-Kreise.

Das Vergnügen ließ sich Metz mit 395,- DM bezahlen. Das Radio gab es mit derselben Bezeichnung auch als 7-Röhren-Gerät. Anstelle der Duodiode EB 41 erfolgte hier die Demodulation im UKW-Bereich mittels zweier Siemens Dioden. Der Preis blieb für beide Varianten identisch.

Mein Gerät ist die 8-Röhren-Ausführung. Die offizielle Röhrenbestückung besteht, bis auf die Feldstärkenanzeige, komplett aus den damals neuen Rimlock-Röhren.

Wir finden hier EF42, ECH42, 3x EAF42, EM4, EB41 und EL41. Auf der Innenseite der Rückwand fand ich den Schaltplan. Hier wurde ich stutzig.

Eine der drei im Schaltplan noch vermerkten EAF 42 war mit „EF41“ überstempelt. Das sah nicht nach einer nachträglichen Werkstattarbeit aus. Denn diese Röhre befindet sich tatsächlich auch im Chassis und war dort, wie alle anderen Röhren, nochmals mit einem kleinen Aufkleber am Sockel gekennzeichnet, was alles sehr einheitlich ab Werk aussieht.

Vermutlich wurde hier während des Produktionsprozesses eine technische Anpassung bei der Hochfrequenz/Zwischenfrequenz-Regelung vorgenommen.

Einen Tonabnehmeranschluss gibt es auch und hinten kann noch ein zweiter Lautsprecher angekoppelt werden.

Es war, wie erwähnt noch nicht das Spitzengerät von Metz. Darüber rangierte das 520 W als 11-Röhren-Maschine. Aber der Star aller Metz-Modelle aus diesem Zyklus war noch aus dem Vorjahr und wurde bis 1952 angeboten. Super selten und bei Sammlern wegen seines Übermaßes beliebt: das berühmte Hawaii W. 1950 noch völlig unüblich, beeindruckt es mit nicht weniger als 14 Tasten. Beeindruckend war auch der Preis. Mit UKW- Ausstattung zahlte der solvente Interessent 585,-DM.

Aber zurück zum 401 W. Hier erfolgt die Wellenwahl noch mittels Drehschalter und nicht mit den weißen Tasten, wie später üblich.

Die beiden vorderen Drehschalter sind vor der herumgezogenen, 48 cm breiten Front aus Edelholz angebracht.

Die Skalenscheibe benennt die nun unter polnischer Verwaltung stehenden Städte weiterhin mit ihren deutschen Namen. Wir finden hier Breslau Stettin, Posen, Gleiwitz.

Selten zu sehen ist zu dieser Zeit der Name „Königsberg“ auf den Sendelisten. Die Stadt war 1951 bereits dem Erdboden gleichgemacht, praktisch die gesamte deutsche Einwohnerschaft, bis auf wenige Versprenge, geflüchtet, verschleppt oder umgebracht. Einen „Sender Königsberg“ dürfte es 1951 nicht mehr gegeben haben. Die allerletzte Sendung des Reichssenders Königsberg erfolgte am 07. April 1945, kurz vor Einmarsch der Roten Armee. Bei der Schlacht um Ostpreußen wurden die Sendeanlagen, wie praktisch die komplette Stadt, zerstört.

Die Erwähnung des Senders Königsberg auf der Skala dürfte eher als stilles Gedenken an die untergegangene historische deutsche Metropole zu verstehen sein.

Interessant ist auch der Sender „Stimme Amerikas“. Besser bekannt unter dem Namen „Voice of America“. Eine abenteuerliche Geschichte.

Gegründet im Kriegsjahr 1942 sendete er insbesondere in deutscher Sprache. Er war also einer der während der NS-Zeit geächteten „Feindsender“, deren Abhören den Deutschen unter Todesstrafe verboten war.

Natürlich diente dieser Sender kriegsstrategischen Zwecken der US-Armee. Dennoch hörten „illegal“ viele Deutsche während des Krieges diese Sendungen. Bei Voice of America kamen auch deutsche Kriegsgefangene zu Wort, die ihre Angehörigen in der Heimat grüßten. Es folgte am Ende immer der gut gemeinte Rat, die Sendereinstellung am Radio zu verändern, falls ein Denunziant die NS-Behörden verständigt hatte und eine überfallsartige Razzia der Geheimpolizei zu befürchten war.

Nach dem Krieg ging es darum, den „American Way of Life“ zu propagieren. Zum einen wurde nun die „Amerikanisierung“ der Bundesbürger eingeleitet, zum anderen aber auch das Verständnis für eine demokratische Staatsordnung vermittelt. Aus den Sendungen der „Voice of America“ ging später das „Radio im Amerikanischen Sektor, also das RIAS-Berlin hervor.

Das Radio in seiner Zeit:

Ein wenig habe ich mit den letzten Zeilen schon vorgegriffen. Dies zeigt, dass die Wirren der Nachkriegszeit 1951 noch nicht überwunden waren.

Paul Metz war mit seiner Firma eher ein Spätstarter. Erst Ende 1938, und damit kurz vor Ende der Friedenszeit, gründete er im fränkischen Fürth die Firma „Transformator und Apparatebau Metz“. Wie der Name schon andeutet, wurden zunächst elektronische Bauteile produziert. Nach Kriegsbeginn kamen erste Kurzwellen-Empfangsgeräte hinzu. Sein Geschäft blieb eher ein kleiner Handwerksbetrieb. Mit nur wenigen Mitarbeitern.

Nach dem Krieg hatte er das Glück, sich im amerikanisch besetzten Teil Deutschlands wiederzufinden. Dies erlaubte schon bald ein wirtschaftliches Handeln nach marktwirtschaftlichen Prinzipien.

Wie alle anderen, musste auch Metz zunächst improvisieren. Ein erstes recht primitives Radiomodell erschien bereits 1947. In Ermangelung neuer Bauteile verwendete er die berühmte alte Wehrmachtsröhre RV12P2000 aus noch vorhandenen alten Beständen.

Nach Einführung der D-Mark ging es auch bei Metz spürbar voran. 1949 brachte er schon die ersten brauchbaren Radios auf den Markt und 1950 erschien der weiter oben erwähnte, beeindruckende Großsuper Hawaii W mit der inflationären Tastengalerie an seiner Front.

In diese Reihe der großen innovativen Rundfunkempfänger gehört das hier beschriebene Metz 401 W. Wir befinden uns dabei erst im Jahre vier der nach dem Krieg neu gegründeten „Metzwerke GmbH & Co KG“.

Links im Bild: eine Zeitgenössische Belchschild-Werbung der Firma Metz

Der Aufstieg erfolgte rasant. Schon wenige Zeit danach wuchs die Firma bereits auf knapp 1000 Mitarbeiter heran. Richtig bekannt wurde das Unternehmen ab 1952 mit seinen neu entwickelten Foto-Blitz-Geräten. 1952 folgten Tonbandgeräte und später, ab 1955, produzierte die Firma ihre ersten Fernseher.

Vielleicht lag es am amerikanischen Einfluss seines Firmenstandorts. Jedenfalls schien Metz eine gewisse Affinität für die Vereinigten Staaten von Amerika und sicher auch ihrer Musik besessen zu haben. Jedenfalls gab er einigen von ihnen zeittypische englische Bezeichnungen, wie das Metz „Baby“ von 1950 oder das „Babysuper“.

Heute würde man sich etwas Anderes unter dem folgenden Namen vorstellen. Ab 1954 gab es tatsächlich das Modell „Babyphon“. Das war ein Kofferradio mit eingebautem Plattenspieler. Perfekt für die gerade in der Schallplattenwelt erschienene kleine Single-Platte, mit jeweils einem Song auf der Vorder- und einem auf der Rückseite.

Peter Kraus sang bestimmt seinen Rock n Roll-Hit „Sugar Baby…“ auch auf Babyphon.

In der Werbung zum Gerät stand „Die jungen Leute von heute lieben eben heiße Rhythmen.“ Oh yeah, baby!

In Anbetracht des Niedergangs der deutschen Phonoindustrie in den 70ern ist es erstaunlich, dass es sogar heute noch Metz-Fernseher zu kaufen gibt. Diese Marke ist aktuell immer noch am Start.

Zwar gab es 2014 auch hier die offenbar unvermeidliche Insolvenz. 2015 erfolgte die Übernahme durch das chinesische Elektronikunternehmen Skyworth. Die Produktionsstätte im fränkischen Zirndorf fertigt aber auch weiterhin höchst moderne Unterhaltungselektronik, jetzt unter dem Firmennamen „Metz Consumer Electronics“.

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