
Wir finden sie besonders in alten Vorkriegsradios und auch in vielen der berühmt- berüchtigten Volksempfängern. Voraussetzung ist aber, dass es sich um Allstromgeräte handelt.
Allstrom bedeutet, dass diese Empfänger sowohl mit Wechselstrom als auch mit Gleichstrom betrieben werden können. Bei Gleichstrom bedarf es keines Trafos zur Umwandlung des Wechselstroms in Gleichstrom, also in diejenige Stromart, die intern im Radio bei den meisten Komponenten gebraucht wird.
Das Problem, das hierbei zu lösen war, besteht in einer konstant arbeitenden Kathodenheizung für die Elektronenröhren. Ohne Heizung kein Elektronenfluss und damit auch keine Funktionsfähigkeit. Sind die Röhren in Reihe geschaltet, also wie im Gleichstrombetrieb prinzipiell vorgesehen, könnten die empfindlichen Heizdrähte von Röhren mit einer kurzen Aufheizzeit übermäßig belastet werden. Ein sogenannter Heißleiter kann das als Widerstand ausgleichen. Und genau diese Funktion übernimmt der Urdox. Die hohen Einschaltströme werden unterdrückt.
Er sieht aus wie eine Elektronenröhre, ist aber keine, obwohl er einen Röhrensockel besitzt. Die verschiedenen Typen sind mit römischen Zahlen durchnummeriert und dürfen, entsprechend der jeweiligen Netzspannung, auch nur mit der richtigen Version ersetzt werden. Im Bild oben arbeitet ein Urdox EU VI. Dieser dürfte ab oder nach 1935 entstanden sein.
Und jetzt wird es wirklich heiß: „Urdox“ ist kein Kosename für einen Saurier. Er heißt so, weil er aus Urandioxid besteht. Den Kurznamen Urdox hat sich Osram ausgedacht, weil er zur Vermarktung dieses Bauteils einfach griffiger war.
Wenn einige nun beim Begriff „Uran“ zusammenzucken, so könnte dies seine Berechtigung haben. Die einschlägigen Foren sind voll von unterschiedlichen Einschätzungen, ob diese Urdox-Heißleiter gesundheits- oder gar lebensgefährlich sind, oder nicht.
Nicht ganz abstreiten kann man, dass sie radioaktiv strahlen könnten. Insbesondere dann, wenn die Glashülle, die übrigens sehr empfindlich ist, beschädigt ist. Urandioxid war allerdings teuer und musste nach Deutschland importiert werden. Entsprechende Devisen waren knapp in den 30ger Jahren. Also setzte man etwa um 1935 auf besser zu beschaffende Materialien mit gleichen Eigenschaften, was die Strahlung der damit bestückten Urdoxe herabgesetzt haben soll.
Allerdings wurden Heißleiter später auch mit Wasserstoff gefüllt, um die Eisen-Wasserstoff-Widerstände unterzubringen. Wir wissen, dass Wasserstoff und Sauerstoff zu ungewollten Effekten führen können, wenn sie sich treffen. Angeblich ist es aber auch beim Zerbrechen eines Urdox-Glaskolbens bisher noch nicht zu einer Kraterbildung im Wohnzimmer gekommen.
Was machen wir also mit diesem Ding? Werden wir alle sterben?
Solange es intakt ist, sollten wir es mit dem gebotenen Respekt behandeln. Wenn es löchrig ist, möglichst meiden. Dann auf keinen Fall als Andenken auf den Schreibtisch oder die Nachtkommode stellen und auch nicht verspeisen.
