SABA Meersburg W4

1953

Seriennummer: 54/827055

Das Gerät in seinem Eingangszustand

Vorbemerkung:

Reine Nervensache! Nicht provozieren lassen. Inzwischen waren meine Synapsen durch Jahrzehnte des Berliner Stadtverkehrs mehr als gestählt. Mit einer ordentlichen Schicht Hornhaut darauf.

Ich verließ die wimmelnde, mehrspurige Hauptallee und bog in eine kleinere Nebenstraße ein. Der Verkehr wurde auch hier nicht spürbar weniger. Er staute sich lediglich auf noch engerem Raum.

Hier musste es ein! Vor mir tat sich das Wunder einer freien Parktasche auf. Wenn einem solch seltene Phänomene begegnen, durfte man nicht lange fackeln. Ohne schuldhaftes Zögern stieß ich sofort hinein und ließ meinen Konkurrenten rechts, links und hinter mir, keine Chance.

Die Straße war auf beiden Seiten begrenzt durch den typischen West-Berliner Altbaubestand der gründerzeitlichen Jahrhundertwende. Alte graue Gemäuer, denen man nach Kriegsende ihre Stuckornamente abgeschlagen hatte. Nun standen sie eng aneinandergeschmiegt, karg und mit ausgeblichenen Fassaden.

Ich schritt durch das große Eingangsportal und erreichte den Hof des ersten Hinterhauses. Dort fand ich die Tür mit einem Sprung in der Scheibe, die zum Treppenaufgang führte. Sie öffnete mit einem schrillen Quietschton. Die Stufen der hölzernen Treppe knarrten unter meinen Füßen, als ich emporstieg. Hier begrüßte mich wieder der vertraute Geruch von Moder, Schimmel und Feuchtigkeit, der so typisch ist für diese Art von Hinterhof-Treppenhäusern.

Im Zweiten Obergeschoss stand die Wohnungstür offen. Dahinter gab es geschäftiges Treiben. Einige Arbeiter verstauten Gegenstände in Müllsäcke. Andere schoben Mobiliar umher. Ich trat ein. Zunächst beachtete mich niemand in diesem Wirrwarr. Dann traf mich der Blick eines Grauhaarigen im Blaumann.

„Radio?“, fragte ich etwas unsicher in das Chaos hinein.

Wortlos drehte er sich um und gab mir einen Wink mit der Hand, den ich als „Mitkommen!“ deutete.

Am Tag zuvor fand ich die Annonce eines SABA Meersburg. Hier wurde kein Hehl aus dem miserablen Zustand gemacht. „Für Bastler oder zum Ausschlachten“. Dazu gesellte sich noch ein Foto von einem völlig desolaten Gerät. Das Gehäuse matt und stumpf und an einer Seite fehlte der Lack bereits vollständig.

Hier kann ich nicht mehr viel kaputt machen, dachte ich. Gerne wollte ich einmal wieder eine Holzarbeit machen. Schon lange hatte ich kein Radiogehäuse mehr instandgesetzt. In diesem Falle, das wurde mir schnell klar, wäre es auch keine Schande, wenn meine Restaurierungsversuche zu einem unwiederbringlichen Kollateralschaden führen würden. Mit üblichen Hausmitteln war hier ohnehin nichts mehr zu machen.

Oben in der Altbauwohnung wurde gerade der Hausstand aufgelöst. Viele Objekte wanderten direkt in den Müll. Für das Radio suchten sie tatsächlich nach einem Verrückten, der das noch kaufen wollte. Es war der Nachlass einer alten Dame, die hier bis zuletzt wohnte und die nun verstorben war.

Wir trafen uns also in der altmodischen Küche und der Chef im Blaumann zeigte auf den Apparat. Der sah genauso schlimm aus, wie auf den Fotos. „Au weia“, dachte ich. Aber so wollte ich es ja.

Ich reichte ihm den 20 Euro-Schein rüber und fragte: „was ist denn mit dem Radio passiert?“

„Es stand hier in der Küche.“ Er zeigte auf ein Holzregal an der Wand. „Mit der kaputten Seite ganz nah an der feuchten Außenwand mit dem Abzugsschacht.“

Das war dann auf die Dauer zu viel für den eigentlich ziemlich widerstandsfähigen SABA-Lack. Oben am Gehäuse war, zu allem Überfluss, auch noch eine Ecke des Furniers abgeplatzt.

Okay, das war Schrott genug und entsprechend war auch der Preis eher symbolisch. Noch vor Ort konnte ich feststellen, dass es noch nicht „ausgeweidet“ war und auch die Skalenscheibe keine Brüche oder Absplitterungen hatte. Immerhin.

Das SABA W4 war ein Übergangsmodel. Es kam 1953 auf den Markt. Die neue Technik schon vorweggenommen und bald auch schon im neu gestalteten Gehäuse zu haben. Der modernere Kasten war dann wieder langweiliger Mainstream, ohne wirklich neue Akzente zu setzen. Dieser hier aber hatte noch etwas Gewaltiges. Ein stämmiger Fels in der Wellenbrandung. Allerderdings wartete noch ein gehöriges Stück Arbeit auf einen ungetrübten Hörgenuss. Es war noch einiges zu machen. Eigentlich alles.

Die Restaurierung, Teil 1: die Technik

Bevor ich mich an die Gehäuse-Restaurierung machte, wollte ich zunächst sehen, ob sich das Ganze überhaupt noch lohnt. Also nahm ich mir die Technik als erstes vor.

Die Natur zaubert so manche Kunstwerke

Nachdem ich die Rückwand abnahm, traf mich der Schlag. Ja, ich hatte schon so einige verschmutze Chassis auf dem OP-Tisch. Aber das hier war zweifellos ein vollständiges Biotop. Der Planet SABA besaß Leben. Selten habe ich so viel Staub gesehen und noch seltener ein derartiges Spinnweben-Konstrukt, das in dieser Form schon fast künstlerischen Wert hatte.

Ich entdeckte eine Art Fauna für bedrohte Tierarten. Bedroht waren sie wirklich, denn ich musste an die Technik ran und da würden die lieben Tierchen schon ein wenig zur Seite rücken müssen.

Es gab also wirklich Grund für eine umfassende Kehrwoche. Vorher wurden die Tiere wieder ausgewildert. Jetzt erst traute ich mich an die Elektrik. Endlich sicher, nicht von einem Biest, das sich im Staubdickicht hinter einem Kondensator versteckt hielt, aus Versehen gebissen zu werden.

Als Lichtblick wertete ich, dass alles noch vollständig vorhanden war. Erfreulich auch, dass noch kein vorheriger Bastler am Werke war. Der innere Zustand bewies, dass hier seit Jahrzehnten kein Mensch mehr gewirkt haben kann.

Der Einstellknopf für AM rutschte durch, das Leuchtbild der Anzeigeröhre EM71 war beim Test kaum noch zu erkennen. Viel mehr offensichtliche Fehler konnte ich bei erster Inaugenscheinnahme nicht erkennen.

Das ausgebaute Chassis nach erster grober Reinigung

Also baute ich das Chassis aus, reinigte es gründlich und schraubte es auf mein drehbares Arbeitsgerüst.

Im Gehäuseinneren fand ich zwei Stempel. Einmal auf der Holzinnenseite „13. (nicht lesbar) 54 und auf dem UKW-Kästchen: „15. März 1954“. Das lässt also Rückschlüsse auf die Produktion des Gerätes zu. Vermutlich wurde es Angang 1954 gefertigt.

Alle Röhren testete ich mit meinem Euratele Röhrenprüfer und sie zeigten insgesamt noch brauchbare Werte. Ohne vorab ein Prüfprotokoll anzufertigen, entschloss ich mich, sofort sämtliche Teer, Papier und Elektrolyd-Kondensatoren zu tauschen. Bei diesem Zustand wollte ich keine Kompromisse eingehen.

Hier in Bild: die Unterseite im Originalzustand mit den blauen SABA-Papier-Kondensatoren

Die Widerstände hatte ich durchgemessen und keine Fehler finden können. Die drei Kugellämpchen der Skalenbeleuchtung tauschte ich ebenso wie die 5 Kugellämpchen der Tastenbeleuchtung. Einige mechanische Arbeiten am Senderantrieb und am Tastensystem führte ich im Laufe des Winters noch aus. Schließlich spendierte ich dem Radio noch eine nagelneue Feldstärken-Anzeigeröhre EM71 aus altem Bestand, erworben im Internet-Handel.

Alle kritischen Kondensatoren getauscht

Am Ende der Arbeiten, nachdem ich insgesamt über 20 Kondensatoren getauscht hatte, fuhr ich die Spannung an meinem Regel-Trenntrafo vorsichtig in die Höhe. Siehe da, es erklangen aus dem provisorisch angeschlossenen Lautsprecher erste Sender voll und störungsfrei.

Durch den vorsorglichen Tausch aller Kondensatoren im Klangregelbereich, waren Höhen und Bässe wunderbar wieder zu dosieren. Das Rändelrad des Höhenreglers hat übrigens eine Zweitfunktion. Im AM-Betrieb kann man damit die Bandbreite regulieren.

Die Technik war also gerichtet. Die Messwerte okay. Aber was macht das bröselige Gehäuse?

Die Restaurierung, Teil 2: das Gehäuse

Nachdem ich das hochglanzpolierte Edelholz von seinem Schmutz und Staub der letzten Dekaden befreit hatte, kamen mir wieder Zweifel an einer kompletten Neulackierung.

Unerwartet schön zeigte sich der vordere und obere Bereich, sowie die rechte Seitenwand. Das könnte ich mit überschaubarem Aufwand wieder in einen fast neuwertigen Zustand polieren. Nur die linke Seitenwand war komplett verloren. Da war nichts mehr zu machen.

Sollte ich also den Rest des Gehäuses opfern um dann ein mehr oder weniger gutes und vielleicht auch farblich nicht mehr ganz so exaktes Ganzes zu erhalten? Oder sollte ich lieber versuchen, nur die linke Seitenwand zu erneuern? Immerhin waren drei-Viertel des Lacks in einem schönen Zustand, wenn er einmal gründlich aufbereitet worden ist.

Alle professionellen Lackierer rieten mir von einer Teillackierung dringend ab. „Du wirst es farblich nie genau hinbekommen. Ein Ding der Unmöglichkeit!“

Also probierte ich es.

Ich dachte mir, wenn es nicht klappt, kann ich den ganzen verbliebenen Rest immer noch runterschleifen.

Der Lack an der linken Seite war so bröselig, dass ich nicht abzubeizen brauchte. Ich machte es klassisch mit Schleifpapier und war vorsichtig genug, dass Edelholzfurnier nicht zu beschädigen.

Ich versuchte anschließend, die Farbanpassung mit vorsichtigem Beizen der freigelegten Seite zu erreichen und war mir hundertprozentig sicher, den richtigen Farbton getroffen zu haben. Ein Test auf einem Stück Probeholz bestätigte mich in meinem Optimismus.

Was folgte, war das völlige Desaster. Anstatt die gewünschte Farbe anzunehmen, verfärbte sich das Holz plötzlich dunkelbraun und am Ende fast schwarz. Und das nicht einmal einheitlich. Es sah aus, als wäre es an dieser Seite angebrannt. Es wirkte, wie ein angekokeltes Stück Kaminholz. Grauenhaft!

Jemand sagte mir, es könne an chemischen Substanzen liegen, die bei der Werkslackierung ins Innere des Holzes eingezogen waren und jetzt zu diesen Verfärbungen geführt hätten.

In meiner Verzweiflung begann ich, alles wieder abzuschleifen. Dabei ging ich das Risiko ein, das Furnier komplett zu zerstören, denn allzu oft sollte man so etwas nicht machen. Das Projekt sah ich schon als gescheitert an. Denn die schwarze Verfärbung hielt sich hartnäckig und war schon in das Holz eingedrungen.

Nach mehrmaligem Abschleifen war es mir dann aber doch gelungen, die schwarzen Stellen fast komplett wegzubekommen. Glücklicherweise ohne weitere Beschädigungen. Der Zählerstand war damit wieder halbwegs auf „Null“ gesetzt. Also zweiter Versuch!

Jetzt entschied ich mich für die klassische Methode, mit der ich schon in der Vergangenheit gute Erfolge erzielt hatte. Ich trug nun Klarlack auf das blanke Holzfurnier auf. Immer wieder neue Schichten, immer wieder Abschleifen mit feiner werdendem Schleifpapier. Das Holz wurde mit jeder Schicht etwas dunkler und glänzender und dann, nach – ich weiß nicht wie vielen Durchgängen – hatte ich ein Ergebnis erreicht, mit dem ich zufrieden sein konnte.

Natürlich konnte ich den Übergang vom alten Lack zum neuen Lack nicht vollständig kaschieren. Aber da ich diesen Übergang in die vordere seitliche Gehäuserundung gelegt hatte, kommt mir die Lichtspiegelung auf dem Glanzlack an dieser Stelle optisch zur Hilfe.

Die beim Schleifen verloren gegangenen Ziertreifen oben habe ich vor dem Lackieren mit einem goldenen Edding nachgezogen.

Das fertiggestellte Gehäuse mit der „kritischen“ Seite

Insgesamt war ich – besonders unter Berücksichtigung der voran gegangenen Katastrophe – am Ende doch recht zufrieden mit dem Ergebnis und war froh, den Originallack im Übrigen gerettet zu haben. Vorher hatte ich noch den Furnierschaden am Oberteil ausgebessert.

Auch die restlichen Seiten des Edelholz-Gehäuses sind wieder hübsch

Nun wurde es Zeit für die Wiederverheiratung des überarbeiteten Chassis mit dem erneuerten Gehäuse.

Das fertig restaurierte Chassis. Bereit zur Wiedervereinigung mit dem Gehäuse.

Das Radiomodell:

Der Kauf des Meersburg W4 war durchaus eine bewusste Entscheidung. So eins wollte ich haben. Warum? Es verbindet die klassische Form der Frontknöpfe vor den hölzernen Seitenwangen mit der fortschrittlichen Technik des Nachfolgers, der das übliche 50er Jahre-Einheitsdesign trägt. Negativ ausgedrückt könnte man auch sagen: die kommende Technik steckt hier noch im altmodischen Kleid.

Wie auch immer, es war mein Favorit, auch oder gerade wegen seines stämmigen klassischen Auftretens, das Kraft und Robustheit vermittelt und schon durch seine ruhende Form beeindruckt. Trotzdem muss man nicht auf Leistung und den wohligen SABA-Sound verzichten.

1954 gab das Model „Meersburg“ dann gleich mehrmals zu kaufen. Einmal der hier beschriebene W4 mit dem alten Gehäuse, der zu diesem Zeitpunkt schon etwa ein Jahr zu haben war und 1954 in sein letztes Baujahr ging.

Dann der W5, also ähnliche Technik wie W4, aber schon mit dem neuen Design und schließlich der W5-3D im neuen Kleid und mit den gerade in Mode gekommenen seitlichen Zusatzlautsprechern, die einen „dreidimensionalen“, also einen „3D-Klang“ vermitteln sollten (Infos zur Erfindung des 3D-Klangs: Grundig 3045W-3D).

SABA gehörte zu dieser Zeit definitiv zu den innovativsten deutschen Radioherstellern. Sie trauten sich an extrem komplexe Luxuslösungen heran und entwickelten die berühmten Automatik-Modelle, mit Sendersuchlauf und automatischer Feineinstellung.

Auch 1954 gab es schon ein solches Gerät zu kaufen. Der 54er SABA Freiburg hatte schon den motorgetriebenen „automatischen Sendersuchlauf“.

Wie schon durch die Stempel im Inneren belegt wurde, handelt es sich hier um ein spätes Exemplar dieser ohnehin kurzen Bauzeit des W4. Das beweist auch die Seriennummer 54/827055. Die ersten beiden Ziffern „54“, dokumentieren, dass es im Jahr 1954 gefertigt wurde, also ziemlich am Ende der Modellaufzeit.

Die Ziffer dahinter ist eine fortlaufende Nummer aller von SABA nach dem Krieg gebauten Radios. Hier liegen wir 1954 also schon im Bereich von über 800.000 Geräten.

Fällt der Blick auf die Skalenscheibe, entdecken wir eine Besonderheit. Beim hier beschriebenen Gerät steht links „FS-TON“. Was ist das? Etwa parallel zu hörender Fernsehton?

Es würde zu SABA passen. Aufklärung gibt der Autor Güter Abele in seinem Buch „Historische Radios Band IV“ auf S. 25. Er hatte offenbar noch die Möglichkeit, sich mit dem früheren technischen Geschäftsführer von SABA, Herrn Brunner-Schwer, zu unterhalten. Dieser bestätigte, dass es bei SABA tatsächlich die Überlegung gab, den Fernsehton auch über den Radioempfänger hörbar zu machen. Allerdings wurde im Verlauf der nachfolgenden Diskussionen diese Idee am Ende dann doch wieder verworfen. Zu diesem Zeitpunkt war die Abteilung der Skalengestaltung jedoch schon vorgeprescht und hatte in ihrem Layout und der anschließenden Produktion die Beschriftung „FS TON“, also „Fernseh-Ton“, schon eingefügt. Das konnte dann nicht mehr auf die Schnelle rückgängig gemacht werden. So kamen diese Worte auf die Scheibe, allerdings ohne unterlegte Funktion, die der Aufschrift entsprechen konnte.

Übrigens im Gegensatz zum Konkurrenten Grundig, der, zumindest mit einem zusätzlich eingebauten Modul, den Fernsehton bei seinem unmittelbaren Modell-Rivalen (siehe: Grundig 4035W), ebenfalls aus 1953, hörbar machen konnte.

Wo ist der Hochtonlautsprecher?

Ansonsten hat der W4 alles, was von einem Großsuper der Marke SABA erwartet wurde. 8 AM und 11 FM Kreise, Zwei Frontlausprecher um Höhen und Mitten/Bässe noch besser zu reproduzieren. Einmal der große Elliptische mit beeindruckenden 35 cm x 24 cm und dann noch der Elektrostat für die Hochtonübertragung.

Wer sich nun wundert, weil der auf dem Bild nur den großen Hauptlautsprecher sieht, dem sei versichert, dass es den Elektrostaten tatsächlich gibt. Er befindet sich praktisch im Hauptlautsprecher, koaxial auf einem Steg vor der Membran des ovalen Speakers. Deshalb ist der von hinten nicht zu entdecken.

Der Innenraum: jetzt ohne Fauna.

Der Empfänger bringt insgesamt acht Röhren zum Einsatz. EF80, ECH81, EF41, EC92, EAF42, EABC80, die erwähnte EM71 als „Magisches Auge“ und eine kräftige EL84 als Endröhre.

Laut Rückwandbeschriftung beträgt die Leistungsaufnahme ca. 60 Watt.

Mit 61 cm Breite und 38,5 cm Höhe war dieser Groß-Super nicht zu übersehen und mit über 14 Kg schon ein schwerer Brocken. Wenn man dieses Radio betrachtet, ist es kaum zu glauben, dass SABA darüber weitere noch größere Modelle im Programm hatte.

Und wie klingt es?

Um ehrlich zu sein: der Bass haut einen um! Kaum zu glauben, dass wir hier ein Radio aus dem Erscheinungsjahr 1953 vor uns haben. Wie muss es im Radiogeschäft auf die Interessenten gewirkt haben? So einen Sound hatte wohl keiner jemals vorher gehört. Und dazu auch noch das wunderbare Leuchtbild der Skala. Und wäre es nicht schon genug, sind auch noch die Tasten im Betrieb von innen beleuchtet.

Hier spürt man schon den berühmten SABA-Sound, der zum legendären Ruf dieser Kultmarke beigetragen hat. Wen dieser Klang berührt, der muss uneingeschränkt zugeben, dass auch extrem hochwertige Geräte der schärfsten Konkurrenten wie Grundig oder Philips nicht ganz an dieses Niveau heranreichen. Das ist natürlich eine subjektive Einschätzung, die zumindest auf mein eigenes Hörempfinden zutrifft.

Zusammengebaut gehört es seitdem zu meinen Lieblingsgeräten und sichert sich auch wegen seines unglaublich kraftvollen und warmen Klangs seinen Platz in einem Wohnraum. Im Gegensatz zu vielen seinen vielen Kollegen, die leider mit dem Keller vorliebnehmen müssen.

Das Gerät in seiner Zeit:

Obwohl der SABA Meersburg W4 von noch höher eingepreisten Modellbrüdern aus dem eigenen Hause übertroffen wurde, handelt es sich doch um einen waschechten Großsuper. Ganz klar ein Modell der Oberklasse, das seine Konkurrenten 1953 und auch noch 1954 suchen musste. Wer sich so etwas ins Wohnzimmer stellen konnte, gehörte zu den Gutsituierten oder zu solch enthusiastischen Musikliebhabern, die lange Zeit darauf sparten. Der Kaufpreis von 468,-DM war schon eine Ansage. Der musste erst verdient oder geerbt werden.

Langsam kam in Westdeutschland der Optimismus wieder zurück. Die soziale Marktwirtschaft begann sich zu entfalten. Der Blick war auf die Zukunft gerichtet. Und jedes Jahr wurde es besser. Das westdeutsche „Wirtschaftswunder“ begann zu zaubern.

Gerhard Wendland sang das Lied vom lachenden Vagabunden. Das passte doch. Caterina Valente und Vico Torriani brachten südländisches Flair ins kalte Deutschland und noch heißer wurde es, wenn Tarzan, der Verteidiger des Dschungels, auf der Kinoleinwand ab September 1953 seinen markerschütternden Schrei hören ließ.

Durch diesen SABA hätte er, neben seinem hellen Tremolo, auch noch ein solides Bass-Fundament für seine Stimme spendiert bekommen.

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